Software-Tipps

Q(GIS)&A – Welche neuen Funktionen bietet QGIS 4.0?

Im März 2026 war es endlich soweit: QGIS 4.0 ist erschienen - der erste große Versionssprung seit knapp acht Jahren. Hintergrund ist der Umstieg von Qt5 auf Qt6 - mehr Informationen dazu findet ihr in diesem Blogbeitrag von Pascal, welcher euch dabei auch über die notwendigen Anpassungen für Plugins für den Einsatz in QGIS 4 informiert.

Für den produktiven Einsatz von QGIS wird wie immer empfohlen, die aktuelle LTR-Version zu verwenden. Erst Ende Oktober 2026 wird die Version 4.2 zur LTR-Version (QGIS Road Map), bis dahin ist es nach wie vor die Version 3.44. Dennoch möchte ich in diesem Spezial-Beitrag unserer Q(GIS)&A-Reihe schon jetzt die Vorfreude in die Höhe treiben, indem ich einen Blick auf neue Funktionen der Version 4.0 werfe - auf vielfachen Wunsch von Leuten, die bei unserem Web-Seminar zu diesem Thema nicht dabei sein konnten.

Aber seid vorgewarnt: Der offizielle Changelog für QGIS 4.0 umfasst über 100 neue Funktionen. Diese kann ich natürlich nicht alle im Detail durchgehen. Ich stelle euch einige Funktionen vor, die wir in unserem QGIS-Team für besonders nützlich halten, und verlinke dabei immer wieder an die entsprechenden Stellen des Changelog. Los geht's!

Einstellungen zur Projektvertrauenswürdigkeit

Öffnet man ein QGIS-Projekt mit eingebundenem Python-Code (z.B. durch Layer-Aktionen oder Projektfunktionen), wird man nun nicht mehr nur durch eine einfache Meldung in der Nachrichtenzeile darauf hingewiesen. Stattdessen erscheint vor dem Laden des Projekts ein eigenes Fenster, in welchem man auf diesen Umstand und die damit verbundenen Sicherheitsrisiken hingewiesen wird.

Abbildung 1: QGIS 4 warnt beim Öffnen eines Projekts mit eingebundenem Python-Code

Neu ist zudem die Möglichkeit, eine Vorschau auf den enthaltenen Code zu bekommen und einzustellen, ob man dem Projekt (oder allen Projekten des Ordners) stets ver- oder misstrauen möchte. Ist dies einmal eingestellt, entfällt diese Abfrage bei der Öffnung des Projektes. Außerdem befinden sich nun in den QGIS-Optionen (Reiter Allgemein) Einstellungen rund um die Projektvertrauenswürdigkeit.

Benutzerdefinierte Werkzeugleisten & Menüs

Mit Hilfe der Oberflächenanpassung lassen sich mit der neuen Version ganz einfach benutzerdefinierte Werkzeugleisten und Menüs erstellen. Dazu wählt man die entsprechende Kategorie (z.B. Menüs) aus, klickt oben auf das Plus-Symbol, gibt dem neuen Eintrag einen Namen und erhält mit dem Zahnrad-Symbol eine Auflistung aller möglichen Einträge, mit welchen man die Eigenkreation per Drag & Drop füllen kann. Eine tolle neue Möglichkeit, die QGIS-Benutzeroberfläche den individuellen Bedürfnissen anzupassen!

Abbildung 2: Erstellung individueller Menüs (und Werkzeugleisten) mit der Oberflächenanpassung

Konfiguration von Attributformularen Symbole, Voransicht & Wiederverwendung von Werten

Ihr habt den Überblick über die Einstellungen eines Attributformulars verloren? Mit der neuen QGIS-Version erlangt ihr diesen schnell wieder. Bei der Konfiguration in den Layereigenschaften verweisen Symbole auf die verwendeten Bedienelementtypen, Restriktionen und Vorgabewerte - bei den beiden letztgenannten inklusive Tooltip.

Abbildung 3: Kleine Symbole in den Einstellungen zu Attributformularen verweisen auf die verwendeten Bedienelementtypen, Restriktionen und Vorgabewerte

Auch müssen zum Testen des Attributformulars nicht länger Testobjekte erstellt werden. Stattdessen kann die neue Preview-Schaltfläche bei der Konfiguration verwendet werden. Ebenfalls wurde die Handhabung bzgl. der Wiederverwendung von Werten bei der Erstellung neuer Objekte geändert. Entsprechend konfiguriert, wird die gleiche Logik angewendet wie schon bei QField: Ihr könnt bei der Digitalisierung jederzeit die Wiederverwendung ein- oder ausschalten.

Interaktiveres Arbeiten mit der Anmerkungswerkzeugleiste

Falls ihr gerne mit Anmerkungen (oftmals eher unter dem englischen Namen "Annotations" bekannt) arbeitet, dürft ihr euch freuen, denn die Handhabe dieser mit der Anmerkungswerkzeugleiste hat sich mit QGIS 4 deutlich verbessert: Ihr könnt nun mehrere Anmerkungen gemeinsam auswählen und verschieben oder entfernen, auch gibt es die Möglichkeit, Anmerkungen interaktiv zu rotieren und zu skalieren. Punkt- und Textanmerkungen können nun außerdem auch "schwebend" in einer 3D-Ansicht dargestellt werden (statt flach auf dem Gelände).

Komfortablerer Umgang mit Temporärlayern

Zwei kleine Neuerungen gibt es auch für im Projekt vorhandene Temporärlayer. Wenn ihr das Ergebnis eines Verarbeitungswerkzeugs als Temporärlayer abspeichern möchtet, könnt ihr diesen direkt beim Ausgabe-Parameter benennen (anstatt zuerst den Ausgabe-Namen zu übernehmen und ihn danach manuell umbenennen zu müssen).

Abbildung 4: Anstelle von "Gepuffert", "Zugeschnitten" oder gar "Explodiert" könnt ihr euren temporären Verarbeitungsausgaben direkt passendere Namen geben

Wenn man einen Temporärlayer später fest abspeichern möchte, klickt man ihn mit der rechten Maustaste an und verwendet "Permanent machen…". Nach dem Abspeichern könnt ihr nun mit einem schnellen Klick in der Erfolgszeile den dazugehörigen Layer automatisch nach der neuen Datei benennen.

3D-Ansicht: Hervorhebung abgefragter Objekte, eingebundene 2D-Karte und mehr

Viele Neuerungen werden auch in 3D-Ansichten geboten. Zwei Beispiele: Abgefragte Objekte (mit dem i-Tool) werden jetzt auch in 3D-Ansichten hervorgehoben. Außerdem lässt sich innerhalb einer 3D-Ansicht eine kleine 2D-Karte einbinden (in den Kamera-Einstellungen der 3D-Konfiguration). Beides kann die Orientierung im dreidimensionalen Raum erleichtern. Außerdem können u.a. für dreidimensionale Flächenobjekte jetzt auch Böden dargestellt werden.Szenen-Layer von ESRI (I3S-Format) werden nun ebenfalls unterstützt.

Abbildung 5: Abgefragte Objekte und eine eingebundene 2D-Karte in einer 3D-Ansicht

Layouts: Neue Konfigurationsmöglichkeiten für Legenden und mehr

Oftmals benötigt es viel Zeit und Mühe, eine Legende im Layout korrekt zu konfigurieren - beispielsweise bzgl. der Frage, welche Layer in dieser angezeigt werden sollen und welche nicht. QGIS 4 bietet hierfür zwei neue Möglichkeiten.

Einerseits könnt ihr die Legende jetzt auch nur zu den dargestellten Layern der Karte synchron halten. Damit entfallen neben geometrielosen Tabellen auch Layer, welche aufgrund einer maßstabsabhängigen Sichtbarkeit nicht dargestellt werden oder weil ihr sie manuell deaktiviert habt. Die Ausdehnung des Kartenausschnitts wird hierbei nicht berücksichtigt.

Eine 2. Möglichkeit: Ihr könnt in den Layereigenschaften jedes Layers bereits im Voraus festlegen, ob dieser in einer Legende angezeigt werden soll - gespeichert im Stil und damit schnell übertragbar auf andere Projekte. Weitere Neuerungen in der Layout-Ansicht sind u.a. die Möglichkeiten, Layout-Elemente interaktiv zu rotieren, Layout-Karten auf Layer zoomen zu lassen und in allen Karten nur das aktuelle Atlas-Objekt anzuzeigen.

Abbildung 6: Einige Neuerungen der Layout-Ansicht

Attributtabellen: Zoom per Doppelklick & Rohwerte kopieren

Es sind gerade auch die kleinen Neuerungen, die jede neue QGIS-Version extrem aufwerten: Ihr könnt nun in einer Attributtabelle doppelt in eine Zeilennummer klicken, um das Objekt zu selektieren und gleichzeitig zu diesem zu zoomen. Außerdem kann beim Kopieren von Zelleninhalten auch der abgespeicherte Rohwert anstelle des dargestellten Wertes kopiert werden - das kann beispielsweise bei Wertabbildungen oder Dezimalzahlen unterschiedlich sein.

Noch bessere Zusammenarbeit von QGIS und PostgreSQL

QGIS und PostgreSQL bzw. PostGIS waren schon immer eine unschlagbare Kombination. Mit QGIS 4.0 wird die bereits vorhandene Möglichkeit, QGIS-Projekte in PostgreSQL-Datenbanken abzuspeichern, weiter optimiert: Ihr könnt nun direkt im Bedienfeld-Browser per Rechtsklick auf ein Schema einer PostgreSQL-Verbindung das aktuelle Projekt in dieses speichern oder auch andere Projekte importieren. Zusätzlich könnt ihr dabei eine Projekt-Versionierung aktivieren.

Abbildung 7: Das Abspeichern von QGIS-Projekten in PostgreSQL kann jetzt intuitiv im Bedienfeld-Browser erfolgen

Außerdem könnt ihr so abgespeicherte QGIS-Projekte mit einem Kommentar versehen, welche sich andere Personen per Tooltip anzeigen lassen können.

Dynamischere Konfiguration und mehr Farben und Zahlen in der Graphischen Modellierung

Als krönenden Abschluss möchte ich auf Neuerungen in der Graphischen Modellierung (oftmals auch "Modelbuilder" genannt) eingehen. Ein neues Bedienfeld „Konfiguration“ ermöglicht es nun, Eingaben und Algorithmen dynamischer zu konfigurieren, da ihr nicht immer erst das jeweilige Fenster öffnen müsst, welches euch dann den Rest der QGIS-Bedienoberfläche blockiert. Auch werden die einzelnen Ein- und Ausgaben jedes Algorithmus je nach Typ (Vektorlayer, Zahl, Text, ...) farblich gekennzeichnet und nach Ausführung des Modells zeigen Zahlen an, wie viele Objekte in jedem Schritt verarbeitet wurden.

Abbildung 8: Auch die Graphische Modellierung ist nochmals besser geworden

Es gibt noch so viel mehr...

Die von mir beschriebenen Funktionen waren noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Es gibt viele neue Funktionen im Ausdruckseditor. Es gibt viele neue Darstellungs-, Editierungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten für die Arbeit mit Punktwolken. Außerdem gibt es einige neue oder verbesserte Verarbeitungswerkzeuge. Ich könnte noch lange weiterschreiben...

Einmal mehr kann man sich nur verbeugen vor der großartigen QGIS-Community! Und das Beste? Das waren nur die neuen Funktionen in der Version 4.0. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags ist bereits die Version 4.2 erschienen, Ende Oktober 2026 wird diese zur LTR-Version und es erscheint die Version 4.4. Dann steht auch dem produktiven Umstieg - abgesehen vielleicht von der Verfügbarkeit von Plugins - nichts mehr im Weg und ihr könnt in den Genuss dieser vielen kleinen und großen Neuerungen kommen. Bis dahin wünsche ich euch viel Vorfreude!

Über den Autor

Steckbrief

Florian Meier wollte immer Mathematik und Geographie lehren, hat aber während seines Lehramtsstudiums die Geoinformatik kennen und lieben gelernt. Deshalb unterrichtet der UNIGIS MSc - Absolvent seit 2020 die Nutzung geographischer Informationssysteme und ist seit 2026 bei der WhereGroup als GIS-Trainer tätig.

Florian Meier WhereGroup