Software-Tipps
Plugins – Praktische Hilfsmittel in QGIS
(Teil 2)
QGIS als Geo-Informationssystem lässt sich dank seiner offenen Programmierschnittstellen flexibel durch Plugins im Funktionsumfang erweitern. Alle öffentlich verfügbaren Plugins sind im zentralen Plugin-Repository von QGIS zu finden und können über das Menü Erweiterungen > Erweiterungen verwalten und installieren... heruntergeladen werden. Es ist aber genauso möglich, eigene Repositorys zu betreiben (etwa um Mitarbeitenden einen bequemen Zugang zu internen Plugins anzubieten) oder Plugins mittels ZIP-Dateien zu installieren.
In ihrer Komplexität sind Plugins weit gefächert - von simplen 1-Klick-Lösungen bis zu umfangreichen zusätzlichen Werkzeugleisten und Bedienfeldern ist alles dabei. In dieser Blog-Reihe möchten wir euch regelmäßig einige nützliche Plugins vorstellen, die Arbeitsabläufe vereinfachen oder die Funktionen von QGIS ergänzen und dabei schnell und einfach zu verstehen und zu bedienen sind. In Teil 1 hat Mathias die Plugins QuickMapService, GeoBasis Loader, QuickOSM, Spreadsheet Layers und Freehand raster georeferencer präsentiert. Heute sind fünf weitere Plugins (sowie ein Bonus-Plugin) an der Reihe - es geht unter anderem um automatisches Abspeichern, eine "Zauberstab"-Funktion, mehr Farbe im Bedienfeld Layer - und um das Wetter.
Plugin 1: Another Autosaver
Es kann leider schnell passieren, dass man mal vergisst zu speichern und ungespeicherte Arbeit an Projekt und Daten verloren geht.
Das ist uns allen sicher auch schon einmal passiert, wenn wir in unsere Arbeit vertieft sind, doch zum Glück gibt es einige Plugins, die Arbeitsergebnisse automatisch regelmäßig von selbst abspeichern. Ich persönlich verwende Another Autosaver von Claude Widmer, welches nach der Installation im Menü Erweiterungen konfiguriert werden kann. Man stellt das gewünschte Zeitintervall ein und bei ungespeicherten Änderungen im Projekt wird per Dialog gefragt, ob gespeichert werden soll (und optional zusätzlich ein Backup erstellt werden soll) oder nicht. Es wird also nicht gespeichert, ohne dass man es mitbekommt. Die Anzahl der behaltenden Backups lässt sich ebenfalls konfigurieren.
Die Backup-Dateien (.bak) können bei Gebrauch einfach umbenannt werden (alles hinter .qgz muss weg) und dann in den Ordner der Original-Projektdatei geschoben werden - schon kann man damit weiterarbeiten.
Wichtiger Hinweis: Datensatzänderungen werden bei diesem Plugin nicht automatisch gespeichert. Another Autosaver kann höchstens als Erinnerung genutzt werden. Die Speicherung muss manuell erfolgen.
Plugin 2: Magic Wand
Wenn du mit Grafikprogrammen arbeitest, wirst du dort die "Zauberstab"-Funktion schon mal genutzt haben (automatisches Auswählen eines Bereiches mit gleichem oder ähnlichem Farbton). In QGIS gibt es mit dem Plugin Magic Wand von Kanahiro Iguchi das Äquivalent für die Digitalisierung: Klick in die Karte (z.B. auf ein Luftbild) und - Abrakadabra - entsteht ein Polygon, welches den Bereich ähnlicher Farben abdeckt.
Nach der Installation kann Magic Wand im Menü Vektor oder per Symbol in den Werkzeugleisten aktiviert werden. Es erscheint automatisch ein Bedienfeld oberhalb der Kartenansicht. In diesem muss angegeben werden, in welchem Layer die Polygone gespeichert werden sollen (entweder ein neuer Temporärlayer oder man fügt sie einem bestehenden Datensatz hinzu). Außerdem lässt sich per Leiste einstellen, wie streng die Funktion bzgl. der Frage ist, was genau "ähnlicher Farbton" bedeutet.
Die Funktion integriert sich hervorragend in die restliche Editierungsumgebung von QGIS. Erstellte Polygone können zurückgenommen oder im Nachgang weiterverarbeitet werden. Während mit einem Linksklick in die Karte das Polygon direkt digitalisiert wird, kann alternativ mit einem Rechtsklick auch eine Art Vorschau-Modus verwendet werden, wobei mit mehreren Rechtsklicks auch das Anfügen weiterer Flächen bzw. Erstellen von Multipolygonen möglich ist (siehe Abbildung 3). Zusätzlich bringt das Plugin auch ein Verarbeitungswerkzeug mit (Polygonize by seed points), mit welchem der Prozess direkt für einen ganzen Punkt-Layer durchgeführt werden kann.
Plugin 3: Point Sampling Tool
Ihr habt mehrere Polygon- und Raster-Layer in einem QGIS-Projekt und wollt deren Informationen in einem Punkt-Layer bündeln? Dann können Attributformulare mit Vorgabewerten helfen - oder ihr schaut euch das Point Sampling Tool von Borys Jurgiel an. Das Plugin kann nach der Installation über das Menü Erweiterungen > Analyses aufgerufen werden und bietet euch die Funktionalität, einen Punkt-Layer und zusätzlich beliebig viele Attribute von Polygon-Layern sowie Kanäle von Raster-Layern auszuwählen, um für jeden Punkt die gewünschten Informationen abzuspeichern.
In meinem Beispiel habe ich folgende Layer:
- Flurstücke (Polygon-Layer)
- Bodenkarte (Polygon-Layer)
- Höhenmodell (Raster)
Möchte ich nun das Flurstückskennzeichen, den Bodentyp sowie die Höhe für beliebig viele Punkte gebündelt in einem Layer stehen haben, eignet sich das Tool optimal (siehe Abbildungen 4 bis 6).
Wichtiger Hinweis: Das Plugin funktioniert nicht mit Temporärlayern, und alle verwendeten Layer müssen im identischen Koordinatenbezugssystem vorliegen.
Plugin 4: Layer Color Plugin
In umfangreichen QGIS-Projekten mit sehr vielen Layern kann man schnell den Überblick verlieren. Gruppenlayer sind eine Möglichkeit der Strukturierung, z.B. mit dem Layer Color Plugin von Renato Henriques erhaltet ihr eine weitere: Farbe! Mit einem Rechtsklick auf einen Layer im Bedienfeld Layer erhaltet ihr dank des Plugins die neue Option Layer Highlight Color und könnt die gewünschte Farbe auswählen. So schnell, so einfach und trotzdem so effektiv. Die Hintergrundfarben der Layer können selbstverständlich auch kopiert und eingefügt sowie wieder entfernt und alle Funktionen auch für mehrere gewählte Layer gemeinsam ausgeführt werden. Auf der Homepage des Plugins stehen Beispiele für die empfohlene Einfärbung je nach Projektinhalt (z.B. Stadtplanung oder Archäologie).
Plugin 5: Advanced Layout Manager Browser
Ein weiteres Plugin der Kategorie "Ordnung ist das halbe Leben" ist der Advanced Layout Manager Browser von Valerio Pinna und Isaac Thompson, welcher für mehr Struktur in QGIS-Projekten mit vielen angelegten Layouts sorgt.
Nach der Installation kann das Bedienfeld über das Menü Erweiterungen aktiviert werden. Neu im Vergleich zur regulären Layout-Verwaltung ist insbesondere die Möglichkeit, Gruppen und Untergruppen zu erstellen, in welche die Layouts des Projekts einsortiert werden können sowie einzelne Layouts als Favoriten markieren zu können. Ergänzt wird das Ganze um Funktionen wie das Duplizieren, Umbenennen und Löschen von Layouts (mit einem Rechtsklick auf ein Layout möglich), das Erstellen von neuen Layouts, eine Suche sowie der Export ganzer Gruppen - einzig eine Funktion zum Import von .qpt-Dateien (QGIS-Layoutvorlagen) vermisse ich noch. Gespeichert wird alles im jeweiligen QGIS-Projekt. An den Layouts selbst wird durch das Plugin nichts verändert.
Bonus-Plugin: Weather Picker
Und nun zum Wetter: Dank des Plugins Weather Picker von Mike Elstermann und Thomas Wölk ist in den kommenden Tagen mit vermehrten Wetterabfragen bei der Arbeit in QGIS zu rechnen.
Nach Installation erscheint die Funktion in der Werkzeugleiste geoObserverTools und wartet auf ihren simplen Einsatz: Ein Klick in die Karte und das Wetter für den gewünschten Ort erscheint.
Die Daten stammen von Open-Meteo, die Ortsabfrage erfolgt mit Nominatim. Nie war es einfacher, vor der Feldarbeit (oder vor dem Heimweg aus dem Büro) noch schnell zu überprüfen, ob man den Regenschirm einpacken sollte. Bei Bedarf kann das Ergebnis auch in verschiedenen Formaten abgespeichert werden.
Welche Plugins nutzt ihr?
Ich hoffe, für euch ist in diesem Beitrag ein praktisches Plugin dabei, das euch bei der Arbeit in QGIS unterstützt. Ein großes Dankeschön gilt allen Entwicklerinnen und Entwicklern der hier vorgestellten und auch aller weiteren Plugins.
Angesichts der großen Anzahl an QGIS-Plugins und der vielen verschiedenen Anwendungsfälle werden wir auch zukünftig im Blog Empfehlungen einzelner oder mehrerer Plugins geben. Hast du ein Lieblings-Plugin oder kennst du gar einen Geheimtipp, welcher dringend mehr Aufmerksamkeit benötigt? Dann schreib mir gerne an qgis@wheregroup.com.
Über den Autor
Steckbrief
Florian Meier wollte immer Mathematik und Geographie lehren, hat aber während seines Lehramtsstudiums die Geoinformatik kennen und lieben gelernt. Deshalb unterrichtet der UNIGIS MSc - Absolvent seit 2020 die Nutzung geographischer Informationssysteme und ist seit 2026 bei der WhereGroup als GIS-Trainer tätig.